Weltfrauentag

Ich schleiche bereits einige Zeit um diesen Beitrag. Oder um die Frage der Notwendigkeit überhaupt einen Blogeintrag zum Weltfrauentag vorzunehmen. Was seltsam ist. Stehe und gehe ich doch gerade für Frauen!

Aber wie es so ist, ploppen eben zu diesem international ausgerufenen Tag allerortens Beiträge dazu auf, die für mehr Gleichberechtigung, eine Frauenquote plädieren oder auf ebensolche Misstände aufmerksam machen. Und auf diesen Wagen wollte ich nicht aufspringen. Nicht, weil ich es nicht für nötig halte, ganz im Gegenteil. Nur, weil ich nicht genau das selbe mit anderen Worten schreiben wollte.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Unerwähnt lassen ging aber für mich auch nicht. Daher hab ich mir mal angeschaut, wie es überhaupt zu diesem internationalen Frauentag gekommen ist.

Wie war das also?

Offiziell heißt es, der Weltfrauentag entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, im Kampf um Gleichberechtigung, Wahlrecht und Emanzipation der Arbeiterinnen. Dabei war es dann der 19. März (und nicht der achte…) 1911, der als Frauentag ausgerufen wurde und ab 1921 jedes Jahr statt fand. Das genaue heutige Datum wählten die Vereinten Nationen im Internationalen Jahr der Frau 1975:

Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden

Etwa Mitte 1975 wurde in Mexiko-Statt die erste erste UN-Weltfrauenkonfrerenz abgehalten und es folgte von 1976 bis 1985 die UN-Dekade der Frau.

Und was haben die Frauen gelitten und gekämpft, bis es soweit war. Wer erinnert sich noch an die Suffragetten, die Frauenrechtlerinnen in Großbritannien und USA, die vor allem mit passivem Widerstand und Störungen offizieller Veranstaltungen bis hin zu Hungerstreiks und Selbsttötungen für ein allgemeines Frauenwahlrecht eintraten. Die Bezeichnung „Suffragette“ wurde übrigens ursprünglich von der englischen Presse (das erste Mal von der Daily Mail) als Herabwürdigung erdacht, wie heute das Wort Emanze, aber erfolgreich von den angetretenen Frauen als Selbstbezeichnung, ja Auszeichnung, vereinnahmt.

Wer erinnert sich noch an die alte Fernsehserie „Das Haus am Eaton Place“, die in vielen Folgen, diese Bewegung und ihre Auswüchse zum Thema hatte oder auch den wunderbaren Film „Suffragetten“? Absolut empfehlenswert und an einem Tag wie diesen ein Anlaß sich bewußt zu machen, wer vor uns und für uns unter Gefahr für Leib und Seele auf die Strasse gegangen ist. Übrigens kann man „Suffragette“ vom aus dem englischen und französischen Wort „suffrage“ ableiten, was nichts anderes als Wahlrecht bedeutet.

Ich bleibe mal kurz beim Film „Suffragetten“. Die dortige Rolle der Emily Pankhurst hat es tatsächlich gegeben! Sie gründete 1903 in Großbritannien die Woman´s Social and Political Union, eine bürgerliche Frauenbewegung. Und wie im Film, trat diese Organisation durch öffentliche Proteste, politische Demonstrationen und Hungerstreiks in Erscheinung. Ihre Tochter Christabel Pankhurst war eine der führenden Suffragetten im Kampf um das Frauenwahlrecht in England.

Hast Du gewußt, dass es damals sogar ein männliches Vorrecht gewesen ist, in der Öffentlichkeit zu rauchen? Das mag einem heute als Lapalie erscheinen, damals aber erschien es als anmassend, wenn Frauen dieses Rauch-Recht selbst öffentlich ausübten. Ein großer Faux pas und ein unbeschreiblicher Tabubruch!

Am 09. Februar 1907 versammelten sich 3000 Frauen Grossbritanniens zu einer bisher in dieser Größenordnung nie dagewesenen friedlichen Demonstration für das Wahlrecht.

(Parallel zu den Britinnen engagierte sich Kate Sheppard für das Frauenwahlrecht in Neuseeland, das dort 1893 als dem weltweit ersten Land eingeführt wurde.)

Drei Jahre später, 1910, scheiterte eine Gesetzesinitiative die erreichen wollte, die Rechte der Frauen auszuweiten. Nun ging es härter zur Sache: Schaufenster wurden eingeschlagen, große Landsitze angezündet und sogar Bombenanschläge auf öffentliche Gebäude verübt, unter anderem auch auf Westminster Abbey.

Am sogenannten schwarzen Freitag, dem 18. November 1910, kam es vor dem britischen Unterhaus und nach einer Rede von Premierminister H. H. Asquith zu blutigen Auseinandersetzungen. Achtzig bewaffnete Frauen wurden verhaftet. Auch die englische Komponisten Ethyl Smyth soll unter ihnen gewesen sein, die ua. die Musik zu „March of the Women“ geschrieben hat (Text Cicely Mary Hamilton). Die Hymne der Suffragetten, die im Januar 1911 das erste mal unter den demonstrierenden Frauen erklang und bis heute als wesentliches Element der Suffragettenbewegung gilt.

Am 01. März 1912 zerstörten 150 Suffragetten mit Steinen und Hämmern bewaffnet rund 270 Schaufenster im Londener Einkaufsviertel Westend-220 Frauen wurden verhaftet.

Tragisch: 1913 zum Epsom Derby stürzte sich Emily Davison aus Protest vor das Pferd Georg des V. und erlag wenige Tage später ihren Verletzungen.

Der Erste Weltkrieg brachte dann eine vorübergehende Unterbrechung der Wahlrechtskämpfe in Großbritannien. Erst nach dem Krieg 1918 erhielten Frauen, die mindestens 30 Jahre alt und im Besitz von Grundeigentum waren, das Wahlrecht.

In den Vereinigten Staaten führten Alice Paul und Lucy Burns eine Serie von Protesten gegen den US Präsidenten Woodrow Wilson an. Viele, ja zahlreiche, Mitglieder der National Woman´s Party (gegründet 1916 von Alice Paul) waren unter fragwürdigen Bedingungen in der Zeit von 1917 bis 1919 inhaftiert, wodurch es zu Hungerstreiks und Zwangsernährungen kam.

Aber es herrschte kriegsbedingt Arbeitskräftemangel überall auf der Welt und so kam es zu einer stärkeren Verankerung der Frau in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, weil es schlichtweg an Männern fehlte. Das war letztendlich das Zünglein an der Waage zur allgemeinen Akzeptanz des Frauenwahlrechts. Damit erreiche die Bewegung nun ihre Ziele, 1919 und 1920 durch den 19. Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten und in Großbritannien am dem 02. Juli 1928.

Das waren allerdings tatsächlich die Spätzünder. Andere Länder erreichen das schon wesentlich früher und auch überwiegend gewaltlos:

1893 Neuseeland

1902 Australien

1906 Finnland

1913 Nowegen

1915 Dänemark

1917 Niederlande

1917 Russland

1918 Österreich

1918 Polen

und DEUTSCHLAND 1918, als eines der Schlußlichter.

Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin (1957-1933) schlug auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vor, ohne ein bestimmtes Datum zu bevorzugen.

Tatsächlich wurde in Kopenhagen, sicher auch mit Blick auf die bis dahin stattgefundenen Proteste, folgender Beschluß gefaßt:

„Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient. […] Der Frauentag muß einen internationalen Charakter tragen und ist sorgfältig vorzubereiten.“ – quelle: Wikipedia

Der erste Frauentag wurde dann am 19.März 1911 neben Dänemark, Österreich-Ungarn und der Schweiz auch endlich in Deutschland gefeiert.

Warum dann aber nun der 8. März?

Bild von Gordon Johnson auf Pixabay

1985 schätzte die US-amerikanische Geschichtswissenschaftlerin Temma Kaplan, dass der Frauentag bis etwa 1967 ein kommunistischer Feiertag gewesen war. Es wird auf einen möglichen Einfluss aus Frankreich und/oder sowjektische Filme als Gründe verwiesen, dass der 8. März ab 1969 als Frauentag begangen wurde. Es wird weiter auf die Rolle von Clara Zetkin als Begründerin eines solchen Tages am 08.März 1858 verwiesen, die aber nicht mehr als „politisch korrekt“ galt.

In der Weimarer Republik gab es sogar zwei Frauentage: einen kommunistischen am 08. März und einen sozialdemokratischen ohne bestimmtes Datum.

Deutsche Frauen forderten nun zum Beispiel Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnabschläge, Senkung der Lebensmittelpreise, eine regelmäßige Schulspeisung und legalen Schwangerschaftsabbruch.

Und doch eine Abschaffung

Im nationalsozialistischen Deutschland wurde der Frauentag dann verboten. An seiner Stelle wurde der Muttertag eingeführt, da dieser eher dem Bild eines damaligen Frauen- und Mutterideals entsprach.

Hinter vorgehaltener Hand gab es den internationalen Frauentag weiter. Allerdings verändert. Es wurde nicht mehr groß auf den Straßen demonstriert sondern eher im Kleinen und Privaten gefeiert.

Erst mit dem Engagement der neuen Frauenbewegung gegen Ende der `60er Jahre rückte der 08. März als Frauentag wieder mehr ins Licht der Öffentlichkeit. Allerdings hatte die autonome Frauenbewegung lange so ihre Schwierigkeiten, OBWOHL mittlerweile 1975 als das Internationale Jahr der Frau ausgerufen worden war.

So konnte man noch 1977 in der feministischen Zeitung „Courage“ lesen:

„Nichts gegen einen Feiertag, auch nicht gegen einen Frauentag. Nur muß er von denen, die gefeiert werden, bestimmt und gestaltet werden.“

Wikipedia

Auch wenn diese Kritik sich vor allem die Feierpraxis in der DDR richtete, wo dieser Tag mehr als eine Art sozialistischer Muttertag begangen wurde, möchte ich meinen Blogeintrag mit diesem Zitat aus der „Courage“ beschließen und bekräftigen:

Feiert Euch, liebe Frauen! Feiert Euch, Eure Mütter, Tanten, Omas, Freundinnen, Schwestern und Schwestern im Geiste. Feiert die, die uns vorausgegangen sind und steht für die ein, die uns folgen werden.

Feiert Euch für Euer sein!

Bild von Sabrina B. auf Pixabay

Letztendlich zeigt die Geschichte doch auch, dass wir Frauen es sind, die die Welt verändern und in den Angeln halten und wenn ich mich nicht täusche, hat sogar der amtierende 14. Dalai Lama, seine Heiligkeit himself gesagt: Die Frauen verändern und tragen die Welt. (oder so ähnlich). Na, wenn der das auch sagt… *zwinker*

Ein Hoch auf uns!

Good Vibrations

SAM

PS Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

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