Dem Leben begegnen

Klingt so ein bischen nach einer Pastorenrede direkt von der Kanzel, oder?

Aber mir es dieser Beitrag wichtig. Ich muß ihn schreiben, um mir und meinem Leben zu begegnen und ich hoffe auch Dich damit zu erreichen, denn es ist etwas passiert, was etwas in mir bewegt hat.

Heute ist der 22.02.21 morgens um 7:30h.

Veröffentlichen werde ich diesen Beitrag erst im März, da im Moment noch meine Serie zu Glück und Wohlbefinden läuft.

Vor einer Woche hat mich die Nachricht erreicht, dass jemand der mir sehr nahe steht, einen Schlaganfall hatte. Sie ist auch noch zwei Jahre jünger als ich.

Natürlich habe ich mir sehr um sie gesorgt. Erschwerend kommt hinzu, dass ich eine Freundin verloren habe, als ich 14 Jahre alt war. Sie erstickte.

Eine andere Freundin verzog mit ihren Eltern nach Bayern und eine nach Hamburg.

Ich bin durch die akute Erkrankung dieser Freundin wieder einmal mit Verlust oder der Angst vor dem Verlust konfrontiert und das machte nun mehr mit mir als ich mir vorstellen konnte.

Wer mich kennt weiß, dass ich tatsächlich schwer und chronisch krank bin und dass ich immer erst merke, dass ich mir zuviel zumute, wenn es zu spät ist.

Mit der Nachricht vom Schlaganfall, ging ein Ruck durch mich durch und auf einmal mache ich alles sehr viel langsamer. Ich habe tatsächlich plötzlich eine Gelassenheit, die fast an scheiß-egal-Stimmung grenzt und ich spüre den Druck nicht mehr, wenn etwas mal wieder liegen bleibt oder ich die mir gestellten Aufgaben nicht bewältigt habe. Früher hat mich das fertig gemacht und ich bin hart mit mir ins Gericht gegangen. Auf einmal ist es mir egal. Ja wirklich. Ich kann mich gut hinsetzen und lesen und auch nichts tun ist ohne mein berühmtes schlechtes Gewissen möglich.

Wenn also die Erkrankung dieser Freundin für etwas gut war, dann wohl dafür.

Und weil das Leben immer zwei Seiten hat und hell und dunkel zusammen gehören, ist in der selben Woche ein Baby im nahen Bekanntenkreis gesund geboren.

Bild von No-longer-here auf Pixabay

Ich bin heute aufgewacht mit der Erkenntnis, wie demütig ich dem Leben gegenüber bin und wie dankbar, dass ich es leben darf, mit all seinen Facetten.

Es ist nie alles schlecht und nie alles gut. Aber das eine geht nicht ohne das andere und beides lehrt uns etwas, nämlich das nichts von Dauer ist. Wirklich nichts. Ich denke, wir brauchen dieses Auf und Ab, um das eine wie das andere schätzen zu können und sei es erst im Nachhinein. Dabei ist es gut zu wissen, dass etwas, was wir als schlecht empfinden wirklich auch wieder vorbei geht und auch das Gute das uns widerfährt vorüber gehend ist. So können wir Dankbarkeit und Demut empfinden und dem Leben achtsamer begegnen.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Aus oben erwähnten gegebenen Anlass möchte ich auch noch einmal auf den Schnellcheck zur Schlaganfallsymptomatik aufmerksam machen, den jeder von uns kennen sollte. Denn rund 270.000 Menschen erleiden pro Jahr einen Schlaganfall. Die meisten sind zwar über 60, aber es sind auch durchaus jüngere betroffen, wie im Falle meiner Freundin. Und es ist erwiesen, dass jede Sekunde zählt, um die dauerhaften Schäden so gering wie möglich zu halten.

Die Symptome eines Schlaganfalls sind abhängig vom betroffenen Areal, aber typische Anzeichen sind:

  • plötzlich einsetzende Schwäche oder Lähmung auf einer Körperseite, insbesondere eines Arms, Beins oder im Gesicht
  • Sprachschwierigkeiten in Verbindung mit einer Lähmung, dann zumeist auf der rechten Körperseite oder Schwierigkeiten Sprache zu verstehen.
  • Sehstörungen (Doppelbilder, verschwommenes Sehen, vorübergehender Sehverlust auf einem Auge, halbseitiger Ausfall eines Gesichtsfelds)
  • Schwindel mit Gangunsicherheit, Verlust von Gleichgewicht oder Koordination
  • plötzliche Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit
  • plötzliche, heftigste Kopfschmerzen

Der FAST-Schnell-Test

Um festzustellen, ob jemand einen Schlaganfall erlitten hat, hilft der sogenannte FAST-Test. Für Laien bietet der FAST – Test eine gute Richtlinie, um zu erkennen, ob Gefahr in Verzug ist. FAST steht dabei für die englischen Begriffe Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit) und hat folgende Bedeutung:

Face: Der oder die Betroffene soll lächeln. Ist das Gesicht halbseitig verzogen, ist von einer Lähmung auszugehen.

Arms: Danach soll der oder die Betroffene die Arme nach vorne ausstrecken und die Handflächen nach oben drehen. Dies wäre bei einer Lähmung nicht möglich.

Speech: Dann soll die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Wenn dies nicht möglich ist, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.

Time: Sind diese Hinweise gegeben, zählt jede Sekunde! 112 anrufen!

Was Du tun kannst, während Du auf den Rettungswagen wartest:

„Time is Brain, Zeit ist Hirn. Je länger bestimmte Teile des Gehirns nicht durchblutet werden, umso mehr Gehirnzellen sterben ab und sind unwiederbringlich verloren“, beschreibt Dr. Carsten Lekutat die dramatische Situation. (Quelle: https://www.mdr.de/nachrichten/ratgeber/gesundheit/quicktipp-schlaganfall-erkennen-helfen-vorbeugen-100.html)

Darum sollte beim leisesten Verdacht auf einen Schlaganfall umgehend gehandelt werden, und zwar folgendermaßen:

  • Die Person sicher lagern, sodass sie nicht stürzen und sich verletzen kann.
  • Rufen Sie sofort den Notruf 112. Machen Sie deutlich darauf aufmerksam, dass Sie einen Schlaganfall vermuten.
  • Betreuen Sie die betroffene Person bis zum Eintreffen des Arztes, sprechen Sie wenn möglich mit ihr und passen Sie auf sie auf.

Bitte keine Getränke oder Medikamente anreichen, auch keine Blutverdünner!

Und bitte:

Bloß nicht selber fahren!

Der Rettungswagen ist immer schneller, auch wenn einem die Minuten wie Stunden vorkommen und schon bei der Ankunft beim Patienten und während der Fahrt ins Krankenhaus können Medikamente verabreicht werden!

Sollte die betroffene Person allerdings bewusstlos werden, dann bitte nach bestem Wissen Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen. Hier gilt: Lieber falsch als gar nicht!

Für Laien reicht dabei eine Herzdruckmassage ohne Beatmung mit 100 bis 120 Wiederholungen pro Minute. Wenn Du es Dir zutraust, dann wechseln 30 Mal Herzdruckmassage und zweimal Beatmung ab.

Für mich ging es eingangs ja um „Dem Leben begegnen“.

Ich begegne dem Leben nun tatsächlich demütig und dankbar, gelassen und freundlich-zugewandt. Es ist so verdammt kurz. Sicher, das hören und lesen wir immer wieder, aber machen wir es uns auch bewußt? Ich gebe zu: Im Sturm meines Alltags ist das mehr so etwas wie „ach ja. genau.“ aber gefühlt und umgesetzt ist dann doch etwas anderes, oder wie ergeht es Dir damit?

Ich hoffe, Du liest diesen Artikel und kommst ins handeln.

Im Notmoment eines Schlaganfalls in dem Deine Klarheit gebraucht wird, in dem Moment der Freude-wie über die Geburt eines Babys und in Deinem herausfordernden Alltag.

Ich habe gelernt, dass ich nur herausgefordert bin, wenn ich dazu eine Fläche biete und das tatsächlich die Welt davon nicht untergeht, wenn ich dem Leben damit begegne:

Los-lassen Sein-lassen Zu-lassen

Dabei helfen mir diese Fragen:

WILL ich das?

Will ICH das?

Will ich DAS?

Probier es mal aus und teile Deine Gedanken in den Kommentaren mit mir und der Welt.

Good Vibrations.

SAM

PS. Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

2 Comments

  • Marina P.

    Schön, das du dieses Thema angesprochen hast- man ist doch momentan sehr mit diesem Coronathema beschäftigt, da geht anderes schlichtweg unter

    • Simone Melzer

      Das stimmt! Selbst wenn man so denkt „bei uns ist ja noch keiner an Corona erkrankt, alles gut“ bestimmt auch das nicht erkrankt sein unser aller Alltag irgendwie.

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