Frauenstreik: Auch das noch?!
Am vergangenen Sonntag war Weltfrauen-Tag. Dieses Jahr folgte, für mich bewusst das erst Mal, am Montag den 09. März der Frauen-Streiktag.
Frauenstreiktag-sowas gibt es?
Ja. Und losgetreten wurde der in der Hauptstadt des kleinen Islands, in Reykjavik 1975 von fünf Frauenorganisationen.
Mehr als 20 000 Frauen strömen 24.20.1975 auf den Laekjartorg, dem zentralen Platz von Islands Hauptstadt, zu. Sie demonstrieren für die Gleichberechtigung der isländischen Frauen, faire Bezahlung und bessere Kinderbetreuung. Die meisten Frauen der Inselnation bleiben an diesem Tag der Arbeit fern, bis auf medizinisches Personal. Auch die Hausarbeit bleibt liegen.
Das Problem kann nicht übersehen werden:
Zwar hat Island seit 1915 das Wahlrecht für Frauen, aber weiter ist die Gleichberechtigung noch nicht gediehen. Im isländischen Parlament ist der Anteil der Frauen nicht nenneswert, und das bei 200 000 Einwohnern, der überwiegende Teil der Frauen verdient wesentlich weniger als Männer und in der Regel sind die Frauen für Kinder und Haushalt zuständig. Aber nicht an diesem Tag! Am 24. Oktoeber 1975 müssen Männer ihre Kinder selbst versorgen.
Die Aktion geht als „Frauenstreik“ in die Geschichte ein und bekommt auch große Unterstützung: Der Präsident des isländischen Gewerkschaftsbundes zeigt früh Unterstützung, andere Gewerkschaften helfen sogar finanziell und Presse ist voller Wohlwollen.
Das alles hat Wirkung und zwar recht schnell. Bereits ein Jahr später passiert ein erstes Gesetz zur Gleichberechtigung das Parlament und 1980 wählt die Inselnation mit Vigdís Finnbogadóttir eine Frau zur Präsidentin.
Und heute?
Island führt den Gender Gap Index des Weltwirtschaftsforums als das Land mit der weltweit geringsten Ungleichheit bei der Bezahlung an.
9. März – intersektionaler Frauenstreik
Die feministische Initiative Töchterkollektiv haben nun 2026 das erste mal diesen isländischen Frauenstreik nach Deutschland geholt.
Gemeinsam mit Enough! wurde zu einem „intersektional-feministischen Frauenstreik“ am 09. März aufgerufen.
Der Termin war klug gewählt: Der 8. März, der internationale Frauentag, fiel dieses Jahr auf einen Sonntag, was zwar Proteste erleichterte, aber das Zeichen der Arbeitsniederlegung im Erwerbsleben unmöglich machte. Der Streiktag am Montag sollte das umgehen.
Die Anliegen waren breit gefächert: Gewalt gegen Frauen, finanzielle Abhängigkeit, überlastete Care-Strukturen, Rassismus, ein gesellschaftlicher Rechtsruck.
Die Initiator:innen haben versucht, Gewerkschaften für ihr Anliegen zu gewinnen – bisher, anders als in Island, ohne Erfolg.
Ohne gewerkschaftliches Dach aber bleibt der Ausstand das, was er ist: ein politischer Protest, dem auch arbeitsrechtlicher Schutz fehlt.
Schade, denn die Teilnahme war so ohne Entsprechende Absicherung. Frau fehlte ggf. unentschuldigt und das bedeutet, dass Lohn für jede ausgefallene Stunde einbehalten werden, abgemahnt oder sogar im Widerholungsfall gekündigt werden darf-sogar fristlos.
Das zeigt einmal mal mehr, dass wir nicht leise werden dürfen, dass wir Frauen zusammen stehen und weiterhin um unsere Rechte als Frau kämpfen müssen!
Ich habe ebenfalls, und deshalb auch meine Überschrift, entsprechende Sprüche gehört, und nicht nur am 8. und 9. März: Was wir noch alles wollen, wir wären doch schon gleichberechtigt, wir wären Männerhasser und zerstören Strukturen, die sich doch zum Wohle aller bewährt haben, ein Tag reicht ja wohl, sind Kampflesben, Übriggebliebene die kein Mann will (kann es vielleicht sein, dass es eine weibliche Entscheidung gibt, keinen Mann zu wollen?!) … .
ÄH NEIN, zu alle dem. Genau das Maß an Gleichberechtigung was uns zusteht, auch rein menschlich (erstmal bin ich Mensch und dann Frau!) zusteht, haben wir Frauen eben nicht und ich bin mir sicher: Wäre es umgekehrt und Männer müssten sich mit diesen Problemen rum schlagen, wäre eine Änderung schon eingetreten.
Beispiel aus dem Alltag gefällig?
Ich habe zum Stand der Dinge noch ein aktuelles Beispiel: Meine älteste Freundin ist verheiratet, ein Pubertier mit insulinpflichtigem Diabetes. Sie geht halbtags (auf dem Papier, oft ist es mehr) in einer Physiotherapie-Praxis arbeiten und regelt dort Anmeldung, Abrechnung usw. Zu Hause und auch mal „zwischendurch“, wenn die Schule anruft, managet sie das Leben ihres Kindes, dass sich nicht mal um seinen Diabetes selbst kümmert und den Alltag der Familie. Sie steckt völlig in einer Erschöpfungsdepression, aber bekommt auch auf Nachfrage keine Unterstützung von ihrem Mann, der fest der Ansicht ist, „die Küche machen “ heißt: Spülmaschine ausräumen und das reicht von ihm. Entsprechend schaut der Sohn sich dieses Verhalten ab. Antwort ihres Mannes auf die Bitte um mehr Arbeitsteilung und Unterstützung: „Was willst Du? Das ist doch nicht arbeiten gehen was Du da machst! Da schaffst Du das bisschen Haushalt ja wohl allein.“ HUPSI – ich habe Johanna von Koczian-Vibes: Das bisschen Haushalt…“
Von 1977 !!!! Alt und immer noch wahr und so lange das so ist, so lange DAS die Wahrheit und unser aller Alltag ist, ist unser Aufstehen und unser Kampf nötig. Jeden Tag, nicht nur am internationalen Frauentag und nicht nur am Tag des Frauenstreikes!
Steh auf!
Sei laut!
Wir lesen uns.
Good Vibrations.
SAM



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