Rückblick auf das Leben-bis hier her und noch viel weiter…
Da ist das erste Quartal des Jahres 2026 auch schon vorbei. Drei ganz Monate. Ich schreibe hier mal einen ganz anderen Rückblick. Eher ein Vor-Rück-Weit-Blick auf mein Leben und damit auch auf das Leben meiner Eltern. Manchmal macht mich das nachdenklich und sogar ein wenig traurig.
Sprint, Marathon und Sand
Auch wenn ich natürlich weiß, dass das Leben kein Sprint sondern eher ein Marathon (im besten Sinne) ist, habe ich oft das Gefühl, meine Lebenszeit, meine Zeit zu erleben, zu kreieren zerrinnt mir wie Wüstensand zwischen den Fingern. Das macht mich traurig und ja, ich bekomme auch Angst ob der Endlichkeit meines Daseins.
Ich will doch noch soviel leben, erleben, kreieren, erschaffen, aber auch nichts tun, genießen, beobachten, sein. Was, wenn ich gar nicht mehr die Möglichkeit dazu erhalte?
Leben im Jetzt?
Mittlerweile bekommt der Ausspruch, jeden Tag so zu leben, als ob es der letzte wäre, eine ganz neue Färbung für mich. Früher hab ich gedacht „so ein Quatsch“ und heute? Der Satz ist verwandt mit im Jetzt leben. Beides lässt mich eine andere Wertigkeit fühlen. Ich bekomme gerade, mit Mitte 50, ein Geschmäckle der Tragweite dieser Worte. Dabei weiß ich und habe mir fest vorgenommen, seeeehr alt, also weit über 90 Jahre und bei guter Gesundheit, werden.
Meine Eltern-meine Gene
Vielleicht ist es der Verfall meiner Eltern, der mich zu diesen nachdenklichen Worten bewegt.

Mein Vater ist gerade 90 Jahre alt geworden und ich sehe einen verbitterten, un- und selbstgerechten, gramgebeugten, unbeweglichen (innen wie außen) traurigen, alten Mann, der dem Tempo dieser sich immer schneller drehenden Welt nicht mehr viel entgegenzusetzen hat. Andererseits besteht er aber darauf, dass die Welt und sein Umfeld, sich seinen Bedürfnissen, Meinungen und Gedanken anzupassen hat. Ich frage mich wirklich, was er sieht und fühlt, wenn er auf sein Leben zurück blickt und mir wird klar: SO möchte ich nicht enden.

Meine Mutter ist 83 Jahre alt. Auch ihr Körper ist verformt und sie zürnt dem Leben mit jedem Tag, der ihr mehr Beweglichkeit und Unabhängigkeit nimmt. Aber sie gibt nicht nach. Es ist, als ob sie dem Leben, dem lieben Gott oder wem auch immer jeden Tag beweisen will: „Ich kann das! Ich will das! Ich mach das! Du wirst schon sehen und nun zieh weiter!“ Sie geht seit über 50 Jahren jeden Tag 1000 m schwimmen, bei Wind und Wetter, sie macht Frühsport und oft denke ich bei mir, dass sie die schwereren Gartenarbeiten ruhig mir und den Enkeln überlassen könnte. Tut sie aber nicht.
Das Verhältnis zu meinen Eltern war mein Leben lang schwierig. Ich hätte mir hier mehr Sicherheit, Annahme und Gefühl gewünscht. Jetzt im Alter, stellt meine Mutter öfter fest, dass ich großartiges leisten würde. Das hat es früher nicht gegeben. Sie stellt sich nie in den Vordergrund. Leider ist ihr Gedächtnis und ihre Sehkraft sehr im Nachlassen begriffen und sie hasst es. *lächel* Das hat sie insgesamt etwas weicher werden lassen. Ich bewundere ihre nicht schwindende Tatkraft, ihr Wille scheint nicht zu brechen. Dazu gehört schon was. Ob sie eine ähnliche Traurigkeit umfängt, wie meinen Vater, vermag ich nicht zu sagen. Sie lässt es sich jedenfalls nicht anmerken.
Meinen Vater bewundere ich dafür, dass er mit 90 Jahren völlig unerschrocken und dafür sehr interessiert am Computer werkelt und hier z. B. die Garten-Frucht-Folge der kommenden Saison plant. Die Entdeckung von YouTube, hat ihm noch einmal ganz neue Welten eröffnet. Auch was seine handwerkliche Geschicklichkeit und Kreativität angeht. Er kann noch heute quasi „aus Scheiße Bonbons drehen“.
Und trotzdem: SO möchte ich nicht alt werden.
Aber in wie weit, kann ich darauf eigentlich Einfluss nehmen?
Meine Eltern haben körperlich beide schwer gearbeitet. Das sieht man ihren verbogenen Gliedmaßen an, die sicher sehr schmerzen. Ich kann mich nicht an Gespräche oder gemeinsame Reisen oder Ausflüge erinnern, es sei denn, sie hatten irgendwie mit mir und meiner Kindheit zu tun, wie z. B. ein Besuch im Zoo. Trotzdem denke ich, dass das ihre freien Entscheidungen gewesen sind. Meine Mutter hätte wohl ohne das Drängen meines Vaters keine eigenes Haus gebaut, aber ich glaube, heut findet sie das ganz gut. Gespräche am Kamin oder eine gemeinsame Leidenschaft für irgendeine Fernsehsendung, daran kann ich mich nicht erinnern. Beide würden mir antworten: Das war eben damals so. Und ob die Liebe der Gewohnheit weicht und am Ende des einen den anderen dann den Verlust einer Liebe betrauern lässt oder die Angst vor der neuen Situation, dem Alleinsein und was damit zusammen hängt kann ich nicht sagen.
Aber möchte ich so leben, alt werden und sterben? Oder ist es einfach mehr die Angst, dass es für meine Vorhaben, meine Gedanken, mein Erleben und meine Wünsche zu spät sein könnte?
Es ist einfach sehr schwer für mich darauf einen klare Antwort zu finden.
Keine Angst vor dem Unabänderlichen
Ich habe keine Angst vor dem Tod an sich. Eher vor Siechtum. Und davor, einfach nicht fertig geworden zu sein, mit dem-mit meinem Leben.
Ich glaube, während ich diese Zeilen schreibe, es hängt wirklich mit meinen tief empfunden Werten zusammen. Dazu gehören Unabhängigkeit und Freiheit. Auf allen Ebenen. Essentiell dafür ist Gesundheit. Ohne Gesundheit, hab ich weniger Möglichkeiten, nach meinen Werten zu leben.
Aber daraus möchte ich hier in diesem ohnehin nicht nur sehr persönlichen sondern auch sehr langen Blogartikel nicht noch so ein großes neues Thema aufmachen. Ich werde mich in einem anderen Beitrag damit beschäftigen.
Und Du?
Vielleicht schreibst Du mir bis hier her einmal in die Kommentare, wie Du darüber denkst. Übers altern. Und die Frage, wie Du alt werden möchtest und/oder wie eben nicht?
Stay tuned.
Wir lesen uns.
Good Vibrations.
SAM



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